Die Informations- und Diskussionsplattform zur neuen JVA in Rottweil am Esch


Gefängnis der Zukunft

Gefängnisse mit Vorbildcharakter – ein Überblick

Vorweg stellen wollen wir den Gedanken von Justizminister Rainer Stickelberger im Rahmen der Bürgerversammlung: „Der beste Opferschutz ist eine gelungene Resozialisierung.“ Das bedeutet auch, dass neue Formen des Vollzugs – sei es bei der Architektur oder Organisation einer JVA immer auch eine Chance sind, eine sicherere Gesellschaft zu bekommen. Interessant ist es daher allemal zu schauen, was sich im Justizvollzug anderswo aus welchem Grund und mit welchem Erfolg tut.

Staatsrätin Gisela Erler hat bei der Bürgerversammlung angekündigt, dass die neue JVA Rottweil eine ansprechende und landschaftsverträgliche Architektur erhalten soll. Auch zeigte sie sich aufgeschlossen gegenüber innovativen Vollzugsformen. Denkbar sei, hier auch die Bürger einzubeziehen, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Wir haben an dieser Stelle zu Ihrer Information innovative Konzeptionen zusammengetragen, die sich bestimmt nicht 1:1 auf Baden-Württemberg übertragen lassen, die aber Anregung und Inspiration für eigene, neue Wege im „Ländle“ sein könnten und die wir hier zur Diskussion stellen wollen.

Unser Nachbarland Österreich hat in jüngster Zeit einige Neubauten der Justiz in Betrieb genommen, die auf beeindruckende Art und Weise Ästhetik und Funktionalität unter einen Hut bekommen:

Justizzentrum Leoben – Quelle: Wikipedia

Das Justizzentrum Leoben ist ein Gerichts- und Gefängniskomplex in Leoben in der Steiermark. Neben dem Land- und Amtsgericht sind in dem Gebäude auch die Staatsanwaltschaft und die örtliche JVA untergebracht. Für die Planung des Justizzentrums wurde der Architekt Josef Hohensinn im Jahr 2004 mit dem Architekturpreis des Landes Steiermark ausgezeichnet. Das Gebäude gilt als europäisches Vorzeigeprojekt auf dem Justiz- und Strafvollzugssektor.

Links:
http://dabonline.de/2008/09/01/kleine-freiheiten
http://www.nextroom.at/building.php?id=18946
http://de.wikipedia.org/wiki/Justizzentrum_Leoben
http://www.nytimes.com/slideshow/2009/06/14/magazine/20090614-prisons-slideshow_index.html


Architektonisch sicherlich ebenfalls interessant ist das Justizzentrum Eisenstadt. Gerade auch die Gestaltung des Gefängnistrakts zeigt, dass hier durchaus gestalterische Qualität und Sicherheitsaspekte zu vereinen sind!

Links:
http://www.ypsilonef.com/projekte/justizzentrum-eisenstadt/
http://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Justizzentrum_Eisenstadt_fertig_3365689.html?bild=3


Eine Besonderheit des Justizzentrums Kroneuburg ist die Planung als Passivhaus. Das Justizzentrum hat somit im Justizbereich Pionierstellung. Dank erhöhter Wärmedämmung und effizienter Energierückgewinnungssysteme hoffen die österreichischen Behörden auf niedrige Nutzungskosten und setzen ein Zeichen gegen den Klimawandel.

Links:
http://www.big.at/projekte/justizzentrum-korneuburg/
https://www.justiz.gv.at/web2013/html/default/2c948485398b9b2a0139b015e5a80177.de.html


Neue Wege im Justizvollzug beschreitet auch Norwegen: Die Haftanstalt in Halden wurde 2010 in Betrieb genommen und wurde vom renommierten „Time Magazine“ als „Das humanste Gefängnis der Welt“ bezeichnet. Hier ist alles auf das Ziel einer Resozialisierung ausgerichtet. Die siedlungsähnliche Architektur und die Organisation der Anstalt sollen es den Inhaftierten ermöglichen, sich so gut wie möglich auf ihre Zeit in Freiheit vorzubereiten. Die moderne, lichte und für eine JVA auffallend vielfältige Architektursprache verwendet unterschiedliche Materialien, um die verschiedenen Funktionen zu betonen. So gibt es verklinkerte Gemeinschaftseinrichtungen ebenso wie Zellentrakte mit einer Verkleidung aus hochformatigen Metallplatten oder brückenartige Übergänge zwischen den Einheiten, die sogar mit einer Holzverschalung versehen sind.

Links:
http://content.time.com/time/magazine/article/0,9171,1986002,00.html
http://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Gefaengnis_in_Norwegen_eroeffnet_1063665.html


Einen innovativen Ansatz in der Ausbildung von Inhaftierten verfolgt die britische Organisation „The Clink“: An vier JVA-Standorten betreibeben Inhaftierte Restaurants, die von Bürgern als ganz normale Gäste besucht werden können. Die Inhaftierten qualifizieren sich dadurch für einen Job in der Gastronomie und haben nach Angaben der Organisation gute Chancen, sich nach der Entlassung auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten und sich ins Leben wieder einzugliedern.

Link:
http://theclinkcharity.org/the-clink-restaurants/high-down-surrey/
Und noch ein Gedanke zu einer umfassenden Bürgerbeteiligung bei der Konzeption eines neuen Gefängnisses: Vielleicht mag es zunächst abwegig erscheinen, aber wäre es nicht richtig, dann auch die eigentlichen Betroffenen selbst, nämlich auch Inhaftierte am Planungsprozess zu beteiligen?
Den Gedanken, Insassen beim Entwurf ihres Gefängnisses einzubeziehen, greift dieser Artikel auf: http://www.fastcodesign.com/3034527/what-happens-when-inmates-design-their-own-prisons


Und hier noch ein Tipp zum Weiterlesen: Die Fachzeitschrift Baunetzwoche stellt aktuelle Trends in der Gefängnisarchitektur vor. Allen Beispielen gemeinsam ist der Gedanke, dass für eine erfolgreiche Resozialisierung auch bauliche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, die einen humanen Vollzug ermöglichen. Hier gibt es international sehr interessante Projekte. Hier können Sie den kompletten Artikel herunterladen!

4 Kommentare to Gefängnis der Zukunft

  1. Gefängnis der Zukunf: Werbemogelpackung die nächste

    Was soll das jetzt? Nächster Versuch, den Bürgern Äpfel für Birnen zu verkaufen. Oder bewusst in die Irre zu führen. Wenn man mal diese schönen Beispiele genauer betrachtet, stellt man folgendes fest:

    1) Justizzentrum Leoben, Steiermark, Österreich

    Wow. Das Bild der Werber zeigt eine außergewöhnliche Architektur. Ganz ohne Stacheldraht. Moment mal. Der dritte Link der Liste http://de.wikipedia.org/wiki/Justizzentrum_Leoben bringt Licht ins Dunkel. Dort gibt’s dann auch das unvermeidliche Foto mit Betonmauer und Stacheldraht sowie unverfälschte Information. Der vordere, schönere Teil ist für das Landgericht, Bezirksgericht, Gerichtliche Gefangenenhaus und für die Staatsanwaltschaft.

    Der der hintere, der Gefängnisteil ist für den Vollzug von Untersuchungshaft sowie Strafhaft bis zu 18 Monaten Gesamtdauer konzipiert. Dabei haben die Österreicher einen großen Denkfehler begangen. Mit max. 205 Häftlingen ist diese JVA nicht einmal halb so groß wie die, die im Esch geplant ist. Für eine erfolgversprechende Resozialisierung braucht man aber die viel größere Anlage. Sagen die Vertreter unserer Justiz. Das habe ich bisher geglaubt. Diese Beispiele aus dem Ausland bringen mich aber zum Zweifeln. Was ich noch nicht in Erfahrung bringen konnte, wo in der Steiermark die Schwerverbrecher mit mehr als 1.5 Jahren Haft untergebracht werden.

    Nebenbei bemerkt: diese JVA liegt IN Leoben. Schokoladenseite Richtung Altstadt. Ginge in Rottweil ja auch. Beispielsweise dort, wo das aufgegebene Milchwerk steht. 100% Konversion.

    2) Halden, Norwegen

    Für 252 Mio. U$D auf einem 30 Hektar großen, bewaldeten Areal. Das zweitgrößte Gefängnis in Norwegen – für 252 Insassen. Halb so groß wie das bei der Neckarburg geplante. Also auch wieder zu klein für eine ordentliche Resozialisierung – oder eben nicht! Aber in Norwegen leben auch nur 13 Einwohner pro km². Bei uns 227.

    3) Eisenstadt, Österreich

    Noch kleiner als Leoben: max. 163 Häftlinge. Auch hier bis 1.5 Jahre und mitten im Ort.

    4) Korneuburg, Österreich

    180 Insassen, Außenstelle Stockerau für 60 Insassen. Mitten im Ort, für Haftstrafen bis 1.5 Jahre.

    Was hat das alles mit der JVA zu tun, die bei der Neckarburg gebaut werden soll? Weitere Informationen unter http://www.neckarburg-ohne-gefaengnis.de.

    • Hallo Herr Ruof,

      danke für Ihren Hinweis, ich habe das Bild ausgetauscht. Es stand zwar darunter, dass es sich um das Justizzentrum handelt und nicht direkt um die JVA, die Teil dieses Zentrums ist. Aber Sie haben Recht: durch das neue Bild, kommt der Gebäudeteil der JVA des Justizzentrums Leoben deutlicher hervor.

      Liebe Grüße,
      Mario Schneider
      Technischer Leiter jvarottweil.de

    • BEi der Bürgerversammlung in Rottweil hieß es, es werden die Standorte Hechingen… geschlossen und nach Rottweil verlegt. Tatsache ist, dass diese Standorte allein nicht mal auf 100 Insassen kommen. Warum soll die JVA dann das vierfache aufnehmen können? Es gibt einen interessanten Artikel in der TAZ unter http://www.taz.de in der davon berichtet wird, das es im Land mehrere JVAs gibt die wegen zu wenig Insassen geschlossen werden sollen! Dieser Aspekt sollte nicht vergessen werden. Ich und andere Steuerzahler fänden sicher ihr Geld besser in sinnvolleren Projekten investiert, als leere Zellen zu bezahlen!

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