Die Informations- und Diskussionsplattform zur neuen JVA in Rottweil am Esch


Welche Vollzugsart wäre für die geplante Haftanstalt vorgesehen?

Es wird eine Einrichtung des geschlossenen Vollzugs entstehen. Geschlossener Vollzug bedeutet, dass Vorkehrungen gegen Entweichen von Gefangenen getroffen werden, vor allem baulicher Art.
Der Kontakt zur Außenwelt ist, mit Ausnahme von vollzugsöffnenden Maßnahmen (Ausgang oder „Hafturlaub“), auf Besuche der Angehörigen und Bezugspersonen in der Anstalt und auf Schriftverkehr beschränkt. Nach den jüngsten verfügbaren Zahlen aus dem Jahr 2013 befanden sich etwa vier von fünf Gefangenen in Deutschland im geschlossenen Vollzug.

Der Bau einer sozialtherapeutischen Abteilung, in der besondere Tätergruppen behandelt werden können, ist nicht geplant.

Gibt es Berührungspunkte zwischen den Insassen und der Öffentlichtkeit?

Im geschlossenen Vollzug gibt es sogenannte vollzugsöffnende Maßnahmen: Dies sind vor allem Ausgänge, begleitet oder unbegleitet, und Freistellungen aus der Haft („Hafturlaub“, vor allem am Wochenende). Diese Maßnahmen werden nach eingehender Prüfung meist gegen Ende der Haftzeit zielgerichtet zur Entlassungsvorbereitung gewährt, etwa für Behördengänge, Vorstellungstermine bei möglichen Arbeitgebern oder Familienbesuche. Durch vollzugsöffnende Maßnahmen sollen die Gefangenen auf das Leben nach der Haft vorbereitet werden. Es ist davon auszugehen, dass – sofern die Gefangenen keinen persönlichen Bezug in die Standortgemeinde haben – „gelockerte“ Gefangene und deren Bezugspersonen im Alltagsleben der Kommune ebenfalls eher keine Rolle spielen werden, da sie ihre vollzugsöffnenden Maßnahmen mit und bei ihren Bezugspersonen verbringen.

Quelle: Beteiligungsportal Baden-Württemberg

Wie sieht der Alltag der Gefangenen in der JVA Rottweil aus?

Der Tagesablauf in den Gefängnissen soll sich im Wesentlichen an dem Alltag der Bürger in Freiheit orientieren. Viele der Gefangenen haben jedoch bereits in Freiheit Schwierigkeiten, ihren Tag zu strukturieren und müssen daher mit verschiedenen Maßnahmen an die Bewältigung einer zunächst einfachen Tagesstruktur herangeführt werden.

In der Justizvollzugsanstalt beginnt der Tag um 6:00 Uhr mit dem Wecken und der Ausgabe eines einfachen Frühstücks. Gegen 6:30 Uhr beginnen die zur Arbeit eingeteilten Gefangenen mit ihrem Tagwerk. Drei Gefangene helfen bei der Instandhaltung des Gebäudes und in der Küche, 10-12 Gefangene verrichten einfache Montagearbeiten im Unternehmerbetrieb der JVA Rottweil.

Unterbrochen durch eine Vesperpause begeben sich alle um 11:30 Uhr in die Hafträume um ihr Mittagessen einzunehmen. Eine halbe Stunde später besteht Gelegenheit, sich eine Stunde im Hof im Freien aufzuhalten, danach geht es zurück zur Arbeit bis 16:20 Uhr.

Nach Arbeitsende beginnt der Block „Freizeit und Bildung“, die Gefangenen betreiben Sport, beschäftigen sich im Freizeitraum mit Spielen oder schauen fern. Zusätzlich wird in dieser Zeit eine Gesprächsgruppe angeboten, Nachmittags ist auch Zeit, den Arzt, Psychologen, Sozialarbeiter aufzusuchen oder um Besuch zu empfangen. Das Abendessen bekommen die Gefangenen bereits um 16:30 Uhr.

Je nach Wochentag werden die Gefangenen zwischen 17:30 Uhr und 21.30 Uhr wieder in ihren Hafträumen bis zum nächsten Morgen eingeschlossen.

Insoweit nimmt die Vollzugsanstalt in der Höllgasse bereits alle Funktionen einer modernen Vollzugsanstalt wahr, das Angebot ist allerdings minimal und nicht vielfältig.

Bedingt durch die viel zu kleinen Räumlichkeiten herrscht Mangel an allen Ecken und Enden, die interne „Arbeitslosigkeit“ beträgt 40 %, die Neigungen und Fähigkeiten einzelner Gefangener können nicht berücksichtigt werden, da nur wenige verschiedene Jobs zur Auswahl stehen. In sehr kleinen Sport und Gemeinschaftsräumen können jeweils nur wenige Gefangene gleichzeitig die Angebote in Anspruch nehmen.

Vor allem Gefangene, die zu langen Haftstrafen verurteilt sind, sind jedoch auf diese Maßnahmen dringend angewiesen, zusätzlich sollten für diese Personen noch vielfältige Ausbildungs- und Schulungsangebote zur Verfügung stehen.

Diese Verurteilten können derzeit nicht in Rottweil versorgt werden und werden abhängig vom Wohnort in die benachbarten Vollzugsanstalten Rottenburg, Offenburg oder Freiburg verlegt.

Quelle: Matthias Nagel, Anstaltsleiter der JVA Rottweil

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